Skip to main content

Online-Lesungen von Rainer Popp

Online-Lesungen von Rainer Popp

Online-Lesungen von Autor Rainer Popp sind auf seinem Youtube Kanal (//www.youtube.com/@rainerpopp424) zu finden.

 Er liest Auszüge aus seiner Trilogie

Im Angesicht der Lüge

Band I   - Die Blendung ( https://www.youtube.com/watch?v=a7jXdkxDVmQ&t=43s )

Band II   - Das Dunkel ( https://www.youtube.com/watch?v=k-4mqQ9Aqk4 )

Band III   -   Eiskalter Ruhm ( https://www.youtube.com/watch?v=etZtoShuYqI )

 

und ganz neu die Lesung aus:

Die Wörter und die Toten ( https://www.youtube.com/watch?v=7H_EzT2gj7g )

Alle Bücher sind im Verlag erschienen.

Im Angesicht der Lüge - Eiskalter Ruhm

Im Angesicht der Lüge - Eiskalter Ruhm

Mit der Online-Lesung aus: Im Angesicht der Lüge -  Eiskalter Ruhm komplettiert unser Autor Rainer Popp seine Triologie.

Zur Lesung gehts hier entlang:

https://www.youtube.com/watch?v=etZtoShuYqI

Das Reinhören lohnt sich.

Im Angesicht der Lüge - Das Dunkel

Im Angesicht der Lüge - Das Dunkel

Ab jetzt gibt es die Lesung zum zweiten Teil der Trilogie: Im Angesicht der Lüge auf YouTube.

Unser Autor Rainer Popp liest aus Band 2: Das Dunkel

www.youtube.com/watch?v=k-4mqQ9Aqk4

Online-Lesung von Rainer Popp

Online-Lesung von Rainer Popp

Von unserem Autor Rainer Popp gibt es eine neue Online-Lesung auf Youtube. Er liest aus dem ersten Band der Roman-Trilogie "Im Angesicht der Lüge" Auszüge aus Kapitel 1. Mit einer Einführung von Ingrid Nehren. Folgt dem angehängtem Link.

https://www.youtube.com/watch?v=a7jXdkxDVmQ

Auszug aus Lesung von Rainer Popp

Auszug aus Lesung von Rainer Popp
Der Roman "Nach Feuer schmeckt die Nacht" kann hier ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. ) oder überall im Handel und Online bestellt werden.
Gelesen wird von Rainer Popp das erste und Teile des zweiten Kapitels des Buches,
Vorbei schauen auf YouTube
www.youtube.com/watch?v=d_qOgKU_LPA&list=LL&index=1&t=179s
lohnt sich.

Ein wichtiges und wertvolles Buch, das eine Verfilmung verlangt!

9783964380494
 
Schon die ersten paar Zeilen des Romans weisen direkt auf die Handschrift dieses Autoren hin. Es ist ein klassischer Popp, der mit seiner sprachlichen Wucht daherkommt, die einem immer wieder den Atem nimmt. Und seine Leserschaft, zu der ich seit Jahren zähle, weiß Bescheid, was zu erwarten ist auf den folgenden 225 Seiten dieses Textes mit dem Titel Nach Feuer schmeckt die Nacht - eine spannende, heiße Geschichte über politische Machenschaften, die einen Karriereristen, der aus der Arbeiterschaft stammt, bis in eine der obersten Etagen der bundesdeutschen Politebenen befördert. Es schaudert einen manchmal während der Lektüre zu erfahren, wie verschlagen es zugeht in den Schattenreichen der Parteien und der Ministerien unserer Berliner Republik. Gewiss, es ist - im Groben und im Ganzen - eine fiktive Handlung, die Rainer Popp zu Papier gebracht hat, aber der Held in diesem Schurkenstück, ein Schulabbrecher und ehrgeiziger Aufschneider, der taugt als Abglanz auch für jede Wirklichkeit in einem Deutschland von heute. Ein wichtiges und wertvolles Buch, das ganz den Ambitionen meines studierten Berufs entspricht und das zwingend eine Verfilmung verlangt.
 
Freya Johannsen, Drehbuchautorin, Köln

Lesung von Rainer Popp

Lesung von Rainer Popp

Mit drastischen Bildern auf eine Fährte gelockt

 

Rezension zum Roman von Rainer Popp „Nach Feuer schmeckt die Nacht“  

Es passiert einiges im Roman über den Politiker, der aus einfachen Verhältnissen in ein Regierungsamt aufsteigt. Und das, was passiert, schildert Rainer Popp mit drastischen, üppigen Bildern, nimmt den Leser zwingend ins Geschehen und sorgt für nachhaltige Phantasien. Wenn die Ähnlichkeit mit einer lebenden Politikerfigur als zufällig versprochen wird, so stellen sich schon zu Beginn Zweifel ein. Details der Wirklichkeit schlüpfen unter das Dach der Fiktion, und man fragt sich: In welchen Schweberaum von Fake und Reality entführt uns der Erzähler? Welcher Erzähler? Er steht der Figur Marc Nenndorf gegenüber, sitzt ihr aber auch im Nacken, schleicht sich in seine Psyche hinein ganz zu Beginn und lässt die Leserin wissen, dass der Typ, der so erfolgreich ist, vor Angst innerlich schlottert. Man wird auf eine Fährte gelockt mit Vorausdeutungen und fragt sich: was muss passieren, damit dieser nach oben katapultierte Karrierist zu Fall kommt? Doch die Auflösung dauert. Wir werden zurückgeworfen in den Anfang seiner Karriere in Ereignisse, die „passieren“. Oder, wie es seine 4. Ehefrau in einem Trennungsgespräch formuliert: „Du bist passiert. Es ist mit dir passiert.“ Man kann es fast so empfinden, dass sein Leben die Ereignisse passierend streift, denn nichts kann Marc Nenndorf wirklich ergreifen. Außer seinem Ego. Er will durch. Irgendwie. Raus aus der Sponti-Szene autonomer Gewaltbesetzer. Er will Macht. Alte Gefährten zieht er mit nach oben, andere stürzen ab. Werden sie ihm schaden?

So führt uns der versierte Autor Rainer Popp hinters Licht seiner zentralen Figur, diesem zwielichtigen Politiker, diesem intelligenten Zyniker und Schwätzer. Wir blicken in sein dürftiges Innenleben. Die Hauptfigur distanziert sich von ihrem Milieu: „Er liebte es (…) in den Gesprächen auszuprobieren, ob er sich mit seiner neu erworbenen Bildung bereits sehen lassen konnte.“ Und: „Er hielt sich für einen Mann des arbeitenden Volkes und für einen politischen Intellektuellen“. Kann dieser Spagat gelingen?

Irgendwelche Mächte scheinen im Hintergrund Strippen zu ziehen. Geheimnisvolle Anrufe deuten auf eine Schlinge, die sich zuziehen wird. In einer Pendelbewegung von Erfolg und Niederlage, politischem Höhenflug und privatem Scheitern, mit einem janusköpfigen Verwirrspiel gelingt der Aufstieg.

Ein Markenzeichen des Romans ist die Vermischung von Realität und Fiktion. Das Attentat auf den hessischen Minister Karry hat es gegeben. Sind alle Reden der Hauptfigur so gehalten worden? Schlingernd verläuft die Trennlinie zwischen recherchierter Sachlichkeit und Polit-Thriller. Ruhigere Passagen gönnen dem Leser Atempausen.

Die komplementären Spannungsstränge werden im mitternächtlich klingelnden Handy zusammengeführt. Andeutungen, Auslassungen als Spannungselement. Am Beginn die Angst, am Schluss die Fügung „Jawohl…“

Rainer Popp gehört nicht zu den Gegenwartsautoren, deren Schreibweise spärlich, gar minimalistisch ist. Er bevorzugt hypotaktische Satzkonstruktionen, stark bildhafte Vergleiche, liebt die Wiederaufnahme des Artikels als Relativpronomen („Reden, das können wir nachher noch…“, „das Büro, das wird sich freuen“), bildet lange Anaphern, feilt retardierend wirkende Dialoge.

Man bleibt dran an dieser Story und fragt sich: Kann das wirklich so gewesen sein? Vermutlich ja.

Theodor Cramer, Bonn. Der Verfasser hat Germanistik und ev. Theologie studiert, war neben und nach seiner Lehrtätigkeit Regisseur und Autor, später Juror für Prosaliteratur und Theater, Literaturvorträge in der Erwachsenenbildung.

Rezension eines begeisterten Lesers

 

Umschlag NACH FEUEREIN LITERARISCHES EREIGNIS VON POLITISCHER BRISANZ

RAINER POPPS NEUER ROMAN: NACH FEUER SCHMECKT DIE NACHT

Rainer Popp hat wieder ein Buch veröffentlicht. Wie jedes Mal ist dies für Eingeweihte ein Ereignis, auf das sie warten. Es ist immer eine intensive Begegnung, und intensiv ist auch der Autor selbst.

Zunächst einmal sieht er wirklich aus wie auf den allgegenwärtigen Fotos. Wer ihn je getroffen hat, der vergisst dieses Gesicht nicht – streng, versteinert, prophetisch – man spürt im Innern heiße Flammen lodern. Ein bewegtes Leben hat er geführt, und es geht natürlich noch weiter, mit einer hohen Dichte an herausragenden Leistungen und Erfolgen in den verschiedensten Berufssparten, aber sicher auch mit ein paar von jenen dunklen Momenten, die nur ganz wenigen in einem langen und reichen Arbeits- und Künstlerleben erspart bleiben. Ein Mensch eben. Geboren ein Jahr nach Kriegsende in Ostdeutschland, floh die Familie schon bald nach Westdeutschland; vielleicht war die im Osten drohende politische Verfolgung des Vaters der Auslöser jenes kompromisslosen Verlangens nach Wahrheit, das das lebenslange Schaffen von Rainer Popp wie ein roter Faden durchzieht. Mit fünfzehn begann er literarisch zu gestalten. Das merkt man allen seinen Büchern an – hier schreibt einer, der auch schreiben kann.

Neben seiner langjährigen Tätigkeit als wahrheitssuchender Journalist hat Rainer Popp eine ganze Reihe von Romanen geschrieben. Soweit ich sie kenne, sind sie alle zornig, wuchtig, existentiell. Da geht es ans Eingemachte und das, was den Menschen im Innersten umtreibt. Manchmal sind sie schwer erträglich. Intensiv eben. Neben Gedichten schafft er auch Bilder – vielleicht ist es in der Malerei, wo diese Dampfmaschine von einem Schreiber am ehesten zu sich selbst und zu innerer Ruhe kommt. In den Romanen jedenfalls nicht. Da droht der Dampfkessel stets vor Überdruck zu platzen.

Wie schreibt er denn eigentlich? Nicht wie Hesse (der ja auch malte), und auch nicht wie Hoffmannsthal. Seine Titel haben etwas von Simmel, der Inhalt erinnert mehr an Borchart. Auch der wusste elitären Kunstanspruch und unbedingten Willen zur Gestaltung mit einer guten Portion Deftigkeit zu verbinden. Die erotischen Stellen in Popps Büchern sind vielleicht etwas „alte Schule“, sie haben es aber auch heute noch in sich.

Nun zum jüngst erschienen Roman, „Nach Feuer schmeckt die Nacht“. Ein flammender Titel für einen brennenden Inhalt. Es ist – ist es das? – ein Schlüsselroman, der gewisse Zusammenhänge zwischen Vorgängen betrifft, die man so aus der Medienberichterstattung nicht kennt. Allerdings kann man die möglichen Personen, die von den Romanfiguren möglicherweise repräsentiert werden, wenn es denn so gemeint sein sollte, relativ leicht zuordnen. Da ist ein grüner Bundesminister namens Marc Nenndorf. Dieser hat seine wilde Jugendzeit hinter sich gelassen und in der Politik Karriere gemacht. Anders als sein Mitstreiter aus frühen Tagen, Klaus-Joachim Gerbert, der immer noch im Knast sitzt und hofft, dass gewisse Sachen nicht rauskommen. Dritter im Bunde ist der Europa-Abgeordnete Klier-Breuer. Er ist eher eine Randfigur im Romangeschehen.

Es soll nicht allzu viel verraten werden, denn das Buch soll ja möglichst viele Leser in seinen Bann ziehen – wer es in die Hand nimmt, kommt garantiert bis zum Ende nicht aus dem Staunen heraus. Anders als die übrigen Romane von Popp ist dieser nicht nur ein literarisches Ereignis. Er hat auch politische Brisanz und ist – möglicherweise – strafrechtlich relevant. Jedenfalls wenn es wirklich war, wie in dem Roman kunstvoll beschrieben. Aber darüber muss sich jeder sein eigenes Urteil bilden, die Leseratte wie der Staatsanwalt.

Vielleicht wird Rainer Popp auch diesmal nicht den Büchner-Preis bekommen. Aber warum eigentlich nicht? So gut wie Walser (Martin) schreibt er allemal, nur spannender. Er ist Wahrheitssucher, nicht Vernebler. Der Leser kann sich mindestens auf eine literarische Achterbahnfahrt erster Güte einstellen. Die Investition in den Erwerb des Buches wird er nicht bereuen. Man kann dem Buch nur weite Verbreitung wünschen.

Magdeburg, im Mai 2022

Hanno Müller-Lüdenscheidt (auch ein Pseudonym)

Buchbesprechung zu "Nach Feuer schmeckt die Nacht"

Buchbesprechung zu

Ein virtuos geschriebenes Lesevergügen!NachFeuerVorderseite

Rainer Popps neuer Polit-Roman »Nach Feuer schmeckt die Nacht«

Von Jacky Dreksler*

Rainer Popp schreibt wie Lang Lang Beethovens »Appassionata« spielt: expressionistisch und dynamisch in den leidenschaftlichen Passagen. Expressiv in den leise reflektierenden Zeilen, dies allerdings virtuos versteckt im Subtext.

Und Subtext gibt es reichlich in Popps neuestem Werk. Es besteht eigentlich vornehmlich aus Subtext. Der Klappentext sagt, es ginge um die kriminellen Verstrickungen von demokratisch legitimierter Staatsmacht. Richtig. Was aber nirgendwo steht: dargestellt wird das am Beispiel eines Mannes, der einem wirklichen Politiker aufs Haar gleicht: Ex-Außenminister und Vizekanzler (1998 bis 2005) Joschka Fischer.

Es ist die Story eines politischen Chamäleons, das seine eigene Wandlungsfähigkeit gern selbstverliebt in einem Spiegelkabinett von alten Gefährten, neuen Feinden und begeisterten Fans im Volk bewundert: einen Aufstieg vom Molotowcocktail schwingenden Studentenrevolutionär zum staatstragenden Champagnerpolitiker. Vom Hilfsarbeiter in die politische Chefetage – wie hat er das geschafft?

Mit dem verspielten Charme der 68er-Aura. Und mit wacher Intelligenz. Und mit einer rhetorischen Begabung, die Bettina Röhl, die Tochter der Terroristin Ulrike Meinhoff, stöhnen ließ, sie ertrage die gepflegte linke Schönrednerei nicht, in der zwar grundsätzlich Fehler von damals eingeräumt, aber die einzelnen Gewalttaten möglichst dem Vergessen anheimgegeben werden.

Aber vor allem haben der echte Fischer und Popps komplexer Protagonist es mit einem geschafft: mit waffenscheinpflichtigem Ehrgeiz.

Popp beginnt mit einem kraftvollen Akkord: »Die Angst war es, die ihn gebissen hatte – ins Gesicht, in den Bauch, zwischen die Augen, mitten ins Herz. Es war die Angst, die ihn schüttelte hin und her, wie es ein Wolf auf Beutejagd macht mit einem zuckenden Hasen. Es war die Angst davor, dass in letzter Minute doch noch alles herauskam, wofür er sich schuldig fühlte seit mehr als zwei Jahrzehnten.«

Wir lernen den fünfzigjährigen Marc Nenndorf kurz vor seinem größten Triumph kennen. Er kleidet sich standesgemäß: »Der fast schwarze Anzug spannte ihm wie eine Wurstpelle um den aufgedunsenen Leib.« Draußen wartet sein alter Kumpel, heute sein Fahrer, mit der Limousine. Wenig später wird er im Bundestag die Schwurhand an die Hosennaht legen und sagen: »So wahr mir Gott helfe«.

Geschafft! Seine Anhänger jubeln, seine Feinde knirschen mit den Zähnen.

Drei Autostunden entfernt sitzt ein weiterer alter Weggefährte hinter Gittern. Er verfolgt die Vereidigung am Bildschirm, und fragt sich, wie es geschehen konnte, dass er nach Auffassung des Haftrichters als Terrorist gilt und an drei Morden beteiligt sein soll. Während sein Kumpel als Popstar und politischer Heilsbringer gefeiert wird und in höchste Staatsämter aufsteigt. Sein alter Freund, mit dem zusammen er Häuser besetzt, Frauen gevögelt und Polizisten verprügelt hat.

Wie der wandlungsfähige Held in diesem Polit-Roman graduell seine Selbstbestimmung und Selbstachtung verliert, zeigt Popp als faszinierendes Psychodrama. Wie fremde Mächte sein Leben dominieren und er nach einem faustischen Pakt zum Spielball von Erpressern wird, ist bei Popp ein brillant inszenierter Psycho-Thriller.

Nicht nur eine spannende, sondern auch eine höchst vergnügliche Lektüre. Denn all das intoniert Popp mit gewohnter Virtuosität auf einer literarischen Klaviatur, die als comic relief auch gekonnt heitere Töne anschlägt.

* Jacky Dreksler, TV-Produzent und Buchautor (Ich wünsche dir ein glückliches Leben/ Das Leid meiner Mutter und ihr Geschenk an mich, DuMont Buchverlag, 2016

Buchbesprechung zu Wenn der Führer wüsste...

Buchbesprechung zu Wenn der Führer wüsste...

Rezension zu Heiger Ostertags neuem dystopischen Roman „Wenn der Führer wüsste..." von Dr. Uta Oberkampf.

Buch Wenn der Führer

Wie die Welt heute aussehen würde, hätte Hitler den Weltkrieg gewonnen, ist eine von Wissenschaftlern wie Literaten vieldiskutierte Frage, für die der promovierte Historiker Heiger Ostertag im Anhang einige Beispiele zitiert. Und auch für das Romangeschehen selbst werden in einem ausführlichen Nachwort interessante Hintergrundinformationen beigesteuert.
Die Erzählung setzt Siebzig Jahre nach dem Ende des „totalen Kriegs“ ein.
Nach dem „Endsieg“ der Nazis scheint im „Dritten Reich“ eine Machtelite die Geschicke des „Reiches“ fest in ihrer Hand zu halten. Interessant ist dabei, dass es die nachfolgenden Generationen der adligen Steigbügelhalter Hitlers sind, die in diesem Staatswesen immer noch Führungsrollen innehaben ( Justiz, Kultur, Heereswesen ). Aber mit dem Tod des Hitler-Enkels werden tektonische Verschiebungen im Machtgefüge sichtbar: Heer, SS und S.A. liefern sich Machtkämpfe, in die sich auch die unterdrückten Polen einmischen. Der Protagonist Rudolf von Bracken, aus dessen Blickwinkel der Leser das Geschehen verfolgt, gerät dabei zunehmend zwischen die Fronten und beginnt, das herrschende System infrage zu stellen. Mit ihm bewegt sich der Leser fast in James Bond-Manier in rasantem Wechsel durch die U-Bahntunnel Berlins, die Bunkergänge der „Wolfsschanze“ und über die Dächer der riesigen Baukomplexe von „Germania“, wie Berlin sich nun nennt. Es ist die Flucht vor einer „Macht“, die für Akteure und Leser gleichermaßen ungreifbar bleibt.
So wird in dieser negativen Utopie, in der eine arische Elite ein angenehmes Leben auf Kosten der Menschen „unreinen Bluts“ führen kann, der Leser bis zum ironisch-kritischen Ende in ständiger Spannung gehalten.
Der förmliche Stil – man geht zu Tisch, man speist, man lässt den Damen den Vortritt - gibt anschaulich die Atmosphäre der verknöcherten Gesellschaft einer überkommenen Adelsclique wieder, die sich als „Elite“ dieses Neuen Reiches sieht.
Selbst die Liebesbeziehungen haben in diesem Rahmen etwas Geschäftsmäßiges – und wo das nicht der Fall ist, muss es sich um „Gedankenverirrung“ handeln.
Hier wird er wieder wach, jener Geist der Nachkriegszeit, in der die alten Seilschaften aus dem Untergrund zu agieren wussten und keine Experimente duldeten; ein Geist, der erst durch die Studentenunruhen der endsechziger Jahre gebrochen werden konnte.
Für die Schilderung des fiktiven Geschehens nutzt der Autor die akribisch aufgelisteten Pläne der Naziführung für die Zeit nach dem Endsieg.
Mit seiner schnörkellosen Sprache, die ohne Wertung auskommt, Stellt er die Frage nach dem, was von den Führerpersönlichkeiten als Wahrheit verkauft wird und durchleuchtet dabei die innere Struktur der von ihnen so gerne genutzten Machtapparate
Es ist ein großes Personentableau, das in seiner geschickten Mischung aus selbstverliebten Ignoranten, Gutmenschen, politischen Hasardeuren und knallharten Machtmenschen den Roman lesenswert macht.
Denn das tief in den dunkelsten U-Bahn- und Bunkerschächten Verborgene lässt sich problemlos in die Jetztzeit projizieren:
„Staatsnotstand und Kriegsrecht“, wiederholte Erich von Rodenstein. „Ein geschickter Schachzug, um gegen unbequeme Frager und jeder Form der Opposition vorgehen zu können. Der Führer hat sich offenbar von seinen ungarischen und türkischen Verbündeten inspirieren lassen.“ ( S. 185 )

Heiger Ostertag – Wenn der Führer wüsste…

9. November 2023


Eine historische Dystopie
333 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-96438045-6, 1. Aufl. 2021

Autoren-Porträt: Rainer Popp

Autoren-Porträt: Rainer Popp

Rainer Popp, geboren am 24. März 1946 in Staßfurt (Sachsen-Anhalt), geflohen 1951 aus der damaligen DDR in den freien Teil Deutschlands wegen der Verhaftung seines Vaters durch das SED-Regime, der als Oberstudiendirektor am heimatlichen Gymnasium Deutsch, Geschichte und Geographie lehrte; zuerst nach Bad Harzburg, dann nach Goslar an den Rand des Harzes; er lebt in Köln.
Seine beruflichen Stationen: Zweijähriges Volontariat bei der Goslarschen Zeitung, Chefreporter beim Donau Kurier (Ingolstadt), politischer Redakteur und Ressortleiter Zeitgeschehen in der Düsseldorfer Zentralredaktion der Westdeutschen Zeitung, Hauptstadt-Korrespondent der Nachrichtenagentur Deutscher Depeschen-Dienst (ddp) in Bonn, Chefredakteur – in Doppelfunktion – bei RTL-Radio und RTL-Fernsehen sowie Begründer und Leiter des Frühstücksfernsehens von RTL; zeitgleich Direktor des deutschen Programms von Radio Luxemburg. Darüber hinaus war er Herausgeber der vom Westdeutschen Rundfunk hergestellten und in der ARD bundesweit ausgestrahlten politisch-satirischen Sendung „Hurra Deutschland“ sowie ausführender Produzent der RTL-Nachtshow mit Thomas Koschwitz.
Rainer Popp, Autor mehrerer Bücher, arbeitete ebenfalls als Programmdirektor der BrainPoint GmbH in Frankfurt am Main. Der Schwerpunkt des Unternehmens: Konzeption von Fernsehsendungen. Außerdem beschäftigte er sich mit Informationsmedien in den Bereichen Motivation, Edukation sowie mit Seminar-Coaching für Führungskräfte. Er war von 2008 bis 2016 Geschäftsführer der Tele Veronika GmbH.
Sein neuer Roman „Die Wörter und die Toten“ ist soeben erschienen.
Popp ist Mitglied der gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus 1990 gegründeten Charta Europa, der auch der verstorbene tschechische Staatspräsident Vaclav Havel angehörte.

Störenfried

Störenfried

Thomas Schwandt, Jahrgang 1960, stammt aus Sassnitz auf der Insel Rügen. Der freiberufliche Wirtschaftsjournalist lebt und arbeitet in Rövershagen nahe Rostock. Im Südwestbuch-Verlag erschienen von ihm bisher fünf spannungsgeladene Polit-Thriller, in deren Handlungen geschickt Fiktion und Wirklichkeit verwoben sind (unter anderem „Das Fanal – Terrorschiff aus Trelleborg“ von 2017). Mit dem neuen Buch „Störenfried“ hat sich Schwandt erstmals dem Genre Roman zugewandt.

Kai Bliesener

Kai Bliesener

Kai Bliesener, geboren 1971 in Waiblingen, aufgewachsen in Fellbach, ist seit über zwanzig Jahren als Kommunikationsexperte, Mediendesigner und Pressesprecher für verschiedene Verbände und Unternehmen tätig. Neben mehreren Buchprojekten für die IG Metall hat er u.a. Beiträge für die Tageszeitung "taz", die Autorenzeitschrift Federwelt und für das Autorenforum "The Tempest" verfasst. Darunter waren umfangreiche Interviews mit Autoren wie Thomas Thiemeyer, Boris von Smercek, Joachim Hoell und Andreas Eschbach. Bilesener dessen Thriller an Don Winslow erinnern lebt mit Frau und Kindern im Remstal.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich, unter Kenntnisnahme unserer Datenschutzerklärung, mit der Verwendung von Cookies einverstanden.